Battleforge



 
Nach den beiden Spellforce-Spielen hat Entwickler EA Phenomic nun das vielversprechende und innovative Battleforge auf den Markt gebracht: Eine Mischung aus Echtzeit-Strategie und Trading-Card-Game, welche noch dazu ein reines Online-Spiel ist.
 
In Battleforge gibt es keinen Basisbau. Stattdessen verfügt ihr über ein 20-teiliges Kartendeck, welches ihr euch zu Spielbeginn erstmal zusammenstellen müsst. Dabei stehen euch Karten aus vier verschiedenen Bereichen zur Verfügung: Frost, Feuer, Schatten und Natur. Jede Kartenart hat dabei ihre eigenen Schwerpunkte: Feuerkarten sind sehr stark auf Schaden ausgerichtet, Naturkarten eher auf Heilung oder allgemein gesagt Unterstützung, was aber nicht heißt, dass man beispielsweise mit einem reinen Naturdeck keinen Schaden machen könnte. Neben den Einheitenkarten, mit denen ihr eure Truppen heraufbeschwört, gibt es auch noch Gebäudekarten, darunter Abwehrtürme oder Support-Gebäude wie ein Heilbrunnen. Und zusätzlich gibt es auch noch Zauberkarten.
 
Bei der Zusammenstellung des Decks kommt es, wie bei normalen Trading-Card-Games auch, natürlich darauf an, die einzelnen Karten so taktisch sinnvoll wie nur möglich aufeinander abzustimmen. Ihr werdet also erstmal eine ganze Zeit in der sogenannten "Schmiede" - dem Hauptmenü des Spiels, in dem ihr nach belieben Karten ausspielen und diese gegen Monster, die ihr herbeiruft, austesten dürft - mit dem Bau eures Decks verbringen. Strategie-Experten freuen sich dabei über die taktische Vielfalt, Gelegenheitszocker werden sich jedoch erstmal vom Spiel erschlagen fühlen. Aber Battleforge ist auch kein Spiel für Weicheier, dazu weiter unten mehr.

 



Das Ressourcen-System im Spiel ist eigentlich ganz einfach: Jede Karte benötigt zwei "Rohstoffe", um ausgespielt werden zu dürfen. Da wären zum einen die Sphären, welche ihr auf Monumenten auf der Map errichten könnt. Dabei könnt ihr Sphären für jede der vier Kartenarten errichten. Habt ihr zum Beispiel ein reines Frostdeck, solltet ihr natürlich nur Feuer-Sphären bauen. Denn jede Karte einer jeden Art benötigt mindestens eine Sphäre ihres Typs, die stärkeren Karten brauchen sogar zwei oder auch drei. Dazu kommen noch Sphären beliebigen Typs, die ihr braucht. So braucht manche Karte zwei Sphären ihrer Art und noch eine oder sogar zwei weitere beliebige.

Die zweite Ressource im Spiel ist Energie. Um diese zu erhalten, müsst ihr Engergieknotenpunkte einnehmen, in dem ihr auf ihnen Generatoren errichtet. Dann erhaltet ihr durchgehend Energie, umso mehr Punkte ihr eingenommen habt, desto höher ist der Zufluss.

 



Battleforge ist, wie bereits erwähnt, ein reines Online-Strategie-Spiel. Es gibt zwar auch Singleplayer-Missionen, welche jedoch ebenfalls über die Server laufen, da diese auch in eure Statistiken eingehen und bei Sieg Belohnungen einbringen: Gold und Aufwertungen, mit denen ihr eure Karten verbessern könnt. Das Gold benötigt ihr für den Aufwärtungsvorgang, aber auch, um nicht benötigte Karten ins Auktionshaus zu stellen, dazu weiter unten mehr.

Der Singleplayerteil spielt jedoch eine untergeordnete Rolle. Die Missionen machen Spaß und sind, wie die Multiplayer-Szenarien, durchweg gut designt, mit menschlichen Mitspielern kommt aber noch wesentlich mehr Freude auf. So gibt es Maps für zwei, vier und sogar für zwölf Spieler. Wenn das mal nichts ist! Langeweile kommt so garantiert nicht auf. Und wenn doch, dann kann man sich immer noch im PVP im 1on1 oder 2on2 auf die Mütze hauen. Es gibt zwar stellenweise noch ein paar Balancing-Probleme, im Großen und Ganzen lässt sich jedoch sagen, dass man sich nicht das absolute Imba-Deck basteln kann, mit dem man alle Gegner besiegt. Es kommt sehr auf Können an. Und Können muss man bei Battleforge wirklich viel. Denn im PVE ist das Spiel stellenweise doch relativ knackig. Für Einsteiger ist der Titel aus deutschen Landen definitiv nichts.

 



Battleforge hat ein großes Problem: Die Story! Wer nicht viel lesen möchte, wird in diesem Spiel nur schwer eine zusammenhängende Geschichte erkennen. Diese wird nur in einem virtuellen Buch erzählt und in den Missionen nicht gerade gut präsentiert. Für Story-Fanatiker, die also am liebsten ein Spiel von narrativer Qualität wie Warcraft 3 haben wollen, ist Battleforge nicht unbedingt das Wahre. Hier dreht sich alles rein um die Schlachten selbst. Es ist halt ein Multiplayer-Spiel.
 
Ein weiteres Manko ist das eines jeden Trading-Card-Games: Es kann ganz schön ins Geld gehen. Mit dem Kauf des Spiels erhaltet ihr ein Starter-Deck, bestehend aus 64 Karten, 16 von jedem Kartentyp. Dazu bekommt ihr noch 3000 Battleforge-Punkte. Diese könnt ihr gegen Booster-Packs eintauschen, welche pro Stück 250 Punkte kosten. Insgesamt erhaltet ihr also mit dem Kauf von Battleforge 160 Karten, wohlgemerkt können darunter jede Menge doppelte Exemplare sein, wenn ihr Pech habt. Um euch weitere Karten kaufen zu können, müsst ihr euch zunächst Battleforge-Punkte kaufen. 500 Punkte kosten 4,99 Euro, 1000 9,99 Euro, 2000 19,99 Euro. Das ist auf den ersten Blick wirklich blöd, jedoch steht fest: Jemand, der Karten kauft, ist nicht stärker gewappnet als jemand, der kein Geld ausgibt. Ersterer hat nur mehr Möglichkeiten bei der Erstellung seines Decks. Auch wenn ihr also keine Karten kauft, könnt ihr Battleforge sonst in vollen Zügen genießen. Das Balancing nimmt keinen Schaden dadurch. Jedoch könnte dies in Zukunft passieren, denn EA Phenomic hat bereits angekündigt, regelmäßig kostenlose Content-Updates zu veröffentlichen und dabei auch in und wieder eine neue Booster-Pack-Edition herauszubringen. Wenn die Entwickler also nicht gut genug aufpassen, könnten so neue Karten in das Spiel kommen, die zu stark sind und die Balance kaputt machen. Also Obacht, Phenomic!

 



Wollt ihr neue Karten erwerben, ohne Geld auszugeben, bleibt euch nur das Auktionshaus. Hier könnt ihr nämlich eure Karten gegen Battleforge-Punkte verkaufen. Jedoch habt ihr natürlich nicht unendlich Karten, die ihr nicht braucht und verkaufen könnt, sodass ihr nach einuiger Zeit wohl oder übel doch Geld ausgeben müsst, um eure Sammlung zu erweitern. Außerdem können bereits aufgewertete Karten nicht mehr weiterverkauft werden.


Grafisch kann Battleforge auf jeden Fall überzeugen, auch wenn es technisch nicht mit anderen Titel mithalten kann. Dafür sind die Texturen zu verwaschen und die Models kleinerer Einheiten zu kantig und undetailliert. Die Zaubereffekte und Animationen sehen jedoch hübsch aus und insgesamt ergibt die Optik einfach ein stimmiges Gesamtbild. Wer es jedoch nicht sonderlich bunt mag, wird wohl von Screenshots und Videos abgeschreckt werden.
Sehr schön: Battleforge hat erstaunlich geringe Hardware-Anforderungen, fordert jedoch in höchsten Details durchaus den ein oder anderen Rechner ganz schön. Auf unserem Testrechner (Core2Duo 2.1 Ghz, 2 GB Ram, Geforce 8800 GT) fängt das Spiel auf maximalen Einstellungen schon häufig an zu ruckeln, bleibt aber noch spielbar. Dennoch: Auch wenn der von uns benutzte PC nicht mehr zum High-End-Bereich gehört, sollte er für dieses Spiel in höchsten Details doch eigentlich immer noch ausreichen. Ein Patch würde hier vielleicht Abhilfe schaffen. Ansonsten ist das Spiel jedoch erstaunlich bugfrei, nur ganz selten kam es zu kleinen Hängern nach einer Partie, bei denen es ein wenig gedauert hat, bis man in der Schmiede etwas anwählen konnte.
Akkustisch zeigt sich Battleforge von einer sehr schönen Seite: Die detusche Sprachausgabe ist wunderbar gelungen und die orchestrale Musik ist fantastisch. Ein wahrer Ohrenschmaus! Zudem stimmt die Bedienung. Karten lassen sich ganz einfach ausspielen: Ein Klich auf die Karte, ein Klick in die Spielwelt und schon stehen ein paar Krieger für euch bereit. Klasse!
 
Letztendlich können wir Battleforge einfach nur als ein sehr gutes Spiel bezeichnen. Zum einen ist es unheimlich innovativ durch die perfekte Mischung aus Echtzeit-Strategie und Trading-Card-Game, zum anderen bietet es eine enorme taktische Tiefe, wie sie nur wenige Titel besitzen. Es macht einfach Spaß, sich sein Deck zu erstellen und mit diesem kooperativ mit anderen Spielern, oder auch gegen diese, ins Gefecht zu ziehen. Phenomics neuestes Werk ist das erste wirklich funktionierende Online-Strategiespiel. Das letztjährige Worldshift hatte dies nicht geschafft. Zudem sieht Battleforge gut aus und hört sich toll an. Jedoch braucht man erstmal einiges an Einarbeitungszeit. Das Spiel richtet sich klar an Strategie-Experten, Einsteiger und Gelegenheitsspieler sind hier am falschen Platz. Außerdem ist es kein Titel, welcher große Geschichten erzählt. Die Präsentation hätte man echt noch besser machen können. Und das zusätzliche Karten Geld kosten ist auch nicht gerade schön, aber irgendwie muss EA ja auch die Serverkosten bezahlen, wenn es schon keine monatlichen Gebühren gibt. Dennoch ist Battleforge ein wahrer Meilenstein im Strategie-Sektor und eines der Highlights des Frühjahrs. Und mit Sicherheit wir man es einem auch noch in den zahlreichen Wahlen zum "Spiel des Jahres 2009" begegnen.