Borderlands


Jens Bremicker für GameFeature.de

Was passiert, wenn man Diablo mit dem Comic-Ego-Shooter XIII vermischt? Es entsteht Borderlands, das neue Spiel der Brothers-in-Arms-Schöpfer Gearbox. Dieser Titel verbindet gewöhnliches Shooter-Gameplay mit Action-Rollenspiel-Elementen. Das hört sich auf jeden Fall interessant und nach jeder Menge Spaß an, aber ist es das auch?
 
Borderlands spielt auf dem Planeten Pandora, einem unwirtlichen Ort, auf dem man ungerne seinen Urlaub verbringen wollen würde. Allerdings gibt es hier mächtig was zu holen. In einer geheimen Kammer, irgendwo in der Spielwelt, warten unzählige Reichtümer darauf, erbeutet zu werden. Ein ab und zu auftauchender blauer Engel weist euch zu Spielbeginn darauf hin. Euer Ziel ist es nun also, jene Kammer zu finden. Und damit wäre im Prinzip auch schon die ganze Geschichte des Spiels erzählt. Spektakulär, was? Naja, das könnte es ja auch sein, schließlich dreht sich bei einem Uncharted auch alles um einen Schatz. Aber Gearbox hat es einfach verpasst, eine schöne Geschichte zu erzählen. Zwischensequenzen gibt es keine, ausufernde Dialoge fehlen gänzlich. Hier hat man viel Potential verschenkt, zumal das Setting das Spiels eigentlich ganz cool ist.
 

Ganz zu Beginn entscheidet ihr euch erstmal für eine Klasse. Euch stehen der Soldat, der Jäger, die Sirene und ein Nahkämpfer zur Verfügung. Die Unterschiede zwischen den Klassen sind jedoch eher minimal und beschränken sich im Prinzip nur auf die Spezialfähigkeiten, von denen jede Klasse über eine verfügt. Der Soldat kann für kurze Zeit ein Geschütz errichten, der Jäger ruft seinen Falken herbei, der Nahkämpfer kann zum Berserker werden und die Sirene verfügt über die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen. Nun hat jede Klasse auch noch drei Talentbäume, die allerdings enorm klein sind und nur wenig Spielraum bieten. Für jeden Levelaufstieg erhaltet ihr einen Skillpunkt, mit dem ihr zum Beispiel als Soldat den Schaden des Geschützes erhöhen könnt. Erfahrungspunkte erhaltet ihr für getötete Gegner und erfüllte Quests. Und das ist auch im Prinzip das einzige, was ihr macht: Aufträge annehmen - entweder Sammel- oder Kill-Quests , zum Zielort reisen, viele Monster oder Banditen erschießen, eventuell eben Questgegenstände sammeln und dann wieder zum Auftraggeber zurückkehren und die Belohnung in Form von Geld oder Items einsacken.

Klingt also alles relativ öde. Und das ist es eigentlich auch! Das Charaktersystem ist zu rudimentär und die Quests sind einfallslos und bieten null Abwechslung. Zumal die Ballereien zwar Spaß machen, aufgrund der nicht sonderlich tollen KI aber wenig packend sind. Und die Story ist, wie gesagt, kaum vorhanden, man merkt kaum, ob man gerade eine Haupt- oder Nebenmission macht. Macht das Spiel denn nun irgendwas, dass es auch wert ist, es zu spielen? Ja, und wie: Genau wie Diablo bietet Borderlands nämlich ein riesiges Arsenal an Items, oder besser gesagt an Waffen, denn Rüstungen und andere Kleidungsgegenstände gibt es nicht. Dafür bieter der Titel glatt mal über eine Million Waffen unterschiedlichster Gattungen: Pistolen, Maschinengewehre, Schrotflinten, Scharfschützengewehre, Raketenwerfer, hier gibt es alles, was sich der Shooter-Fan wünscht. Jede Waffe hat dabei unterschiedliche Itemwerte bezüglich Schaden, Feuerrate und Magazinsgröße und kann auch noch Boni bieten, zum Beispiel zusätzlichen Feuerschaden. Außerdem sind die Blechbüchsen, genau wie in World of Warcraft, in Seltenheitsgrade unterteilt: Von weiß für "Sehr häufig und eher schwach", über grün, blau und lila bis hin zu orange für "Extrem selten, wertvoll und effektiv". Dadurch entsteht eine ungeheure Sammelwut, da man immer auf der Suche nach dem nächst besseren Schießeisen ist. Somit erzeugt Borderlands trotz der oben genannten Schwächen eine unglaublich hohe Motivation weiter zu spielen.


 Leider ist die Spielwelt nicht komplett offen und zusammenhängend, sondern in viele verschieden große Gegenden eingeteilt, die über teleporter-ähnliche Ausgangspunkte verbunden sind, was sehr lieblos wirkt. Auch sieht die Umgebung stets gleich aus und bietet kaum Abwechslung, weshalb kaum Entdeckerdrang gefördert wird - dieser entsteht nur durch die große Anzahl an Waffen. Immerhin müsst ihr die großen Level aber nicht immer zu Fuß durchqueren, sondern könnt auch in ein Auto einsteigen. Dieser Aspekt des Spiels ist jedoch auch eher weniger gut gelungen. Die Steuerung ist nicht wirklich optimal, da ihr mit der Maus nicht nur das Bordgeschütz dreht, sondern gleich auch das ganze Fahrzeug, und das Gefährt ist eklatant übermächtig, da es nur schwer zu zerstören ist und viel Schaden anrichtet. Dadurch gerät die ansonsten gute Balance des Spiels etwas aus den Fugen.

Wer keine Lust hat, Pandora alleine zu durchstreifen, der kann mit bis zu drei Freunden online im Koop-Modus spielen. Das funktioniert an sich auch sehr gut und macht viel Laune, da man eben nun zusammen Quests erledigen und Monster und Bosse umnieten kann. Auch könnt ihr euch untereinander duellieren. Allerdings fehlt ein System, dass die erbeuteten Items gerecht unter den Spielern verteilt. Somit müsst ihr euch um die Waffen streiten und handeln könnt ihr untereinander auch nicht. Doof! Hier wäre ein Patch angebracht.

 Ansonsten läuft Borderlands aber prächtig, Bugs konnte ich keine entdecken. Zudem weiß der Cel-Shading-Look des Spiels zu gefallen. Technisch ist es zwar nicht der Brüller, dafür sind die Texturen und Lichteffekte zu schwach, aber wen stört das bei einer Comic-Optik? Dadurch hat der Titel etwas Zeitloses, denn ein XIII sieht zum Beispiel, meiner Meinung nach, bis heute nicht veraltet aus. Und dieses Spiel erschien immerhin schon 2003.

In Sachen Sound kann man Borderlands auch nicht viel vorwerfen. Die Musik ist stimmig, die Waffengeräusche gehen vollkommen in Ordnung und die deutsche Sprachausgabe kann sich durchaus hören lassen, kommt aber leider kaum zur Geltung, da es eben keine großen Dialoge, sondern nur Questtexte gibt. Darunter leidet natürlich die ansonsten ganz gute Atmosphäre.
 

Noch ein paar Worte zur Bedienung: Die klassische Shooter-Steuerung funktioniert sehr gut, leider ist das Inventar jedoch eher unübersichtlich und schmucklos geraten, da die Waffen hier in Textform aufgeführt sind. Anstatt also ein schönes, optisches Inventar zu haben, wie in Diablo oder Sacred, bietet Borderlands nur eine Liste, was bei einem Titel, der im Grunde seinen ganzen Spaß aus der Itemvielfalt zieht, ein großer Kritikpunkt ist.
 
Abschließend lässt sich sagen, dass Borderlands ganz bestimmt kein Toptitel ist. Story, Questdesign, KI, Leveldesign, Charaktersystem: Alles ist nur Durchschnitt. Aber die schier riesige Zahl an Waffen, die man finden kann, sorgt einfach dafür, dass das Spiel trotzdem wahnsinnig viel Spaß macht, da man immer gewillt ist, einen noch besseren Schießprügel zu finden. Zumindest, wenn man alleine daran Spaß haben kann. Wem diese Sammelwut nämlich nicht reicht, der sollte einen ganz großen Bogen um den Titel machen. Borderlands ist also ganz klar ein Geheimtipp für Sammler, die simple Ego-Baller-Kost mit dem Grundprinzip von Diablo vermischt haben wollen. Dennoch muss man auch eingestehen, dass Gearbox ordentlich Potential verschenkt hat. Denn mit einer tollen und gut erzählten Geschichte und mehr Abwechslung bei den Quests und der Spielwelt hätte dieses Spiel in deutlich höhere Wertungsregionen vorstoßen können.
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