Dragon Age: Origins (PC)



Sebastian Mersch für GameFeature.de

Dragon Age Origins aus dem Hause Bioware ist nach Baldur´s Gate, Knights of the old Republic, Jade Empire und natürlich mein bislang persönlicher Favorit Mass Effect ein weiteres gigantisches Rollenspiel. Alle Titel standen ja jeweils für Qualität. Man hatte sich somit vieles für Dragon Age: Origins vorgenommen und jahrelang mit der Entwicklung des Spiels verbracht. Ich persönlich, muß eingestehen, dass ich zwar sehr vieles vom Spiel im Vorfeld gehört und gelesen habe, jedoch nicht erwartet habe, dass dieses Gamekonzept in der klassischen Fantasywelt mich doch so sehr faszinieren würde. Denn sind wir einmal ehrlich, es gibt unzählige Rollenspiele, die mit Elfen, Zwerge und Menschen gegen das Unheil kämpfen, dass man eigentlich dieses Genre doch eher leid ist. Doch Dragon Age: Origins macht zahlreiches besser als seine Konkurrenztitel. Warum, das werden wir Euch nun in unseren ausgiebigen Test zeigen.

Fangen wir einmal von vorne an. Ihr habt die Wahl Euren Charakter eine der drei Rassen (Mensch, Elf oder Zwerg) sowie eine Klasse (Krieger, Magier, Schurke) auszuwählen sowie zahlreiche Modifikationen Eures Aussehens zu bestimmen. Das ist im Grunde doch sehr einfach und klassisch gehalten. Außerdem setzen wir noch einige Attribute und starten in die Einführung der Geschichte. Achtung! Besonderheit je nach Klasse und Herkunft unterscheiden sich die Einstiege Eures Charakters. Hier warten auf Euch eines von insgesamt sechs unterschiedlichen Anfängen, die Euch in die epische Geschichte einführen. Dieser Einstieg ist nicht gerade kurz so kann es passieren, dass Ihr Euch im Prolog etwa 2 Stunden aufhaltet. Bereits vom Anfang an also ein erhebliches Plus in dem Wiederspielwert, welches auch im weiteren Verlauf des Spiels immer wieder hervorkommt. Denn jede Entscheidung die Ihr trifft hat Konsequenzen und Auswirkungen auf den Verlauf Eurer Geschichte.

Wir haben uns für eine reiche Familienabstammung entschieden und sind somit der Sohn eines wichtigen Lords, dessen Burg heimtückisch angegriffen wird. Nur ein grauer Wächter hilft uns aus der Burg heraus, während unsere Eltern heroisch in der Schlacht fallen. Die grauen Wächter sind eine alte Vereinigung von Kriegern, die in den Kampf gegen die damalige dunkle Brut zogen und sie aus den Ländereien damals vertrieben haben. Natürlich ist die dunkle Brut wieder zurückgekehrt und wir schließen uns den grauen Wächtern an. Natürlich gibt es auch wieder einen hinterlistigen Verrat, welchen wir Euch aber nicht weiter erläutern möchten, denn das solltet Ihr schon alleine spielen. Die Geschichte ist zwar nicht die neueste, jedoch ist die Präsentation, die Interaktion und die spielerische Tiefe so enorm, dass es Euch einfach direkt nach den ersten Minuten packt.


Wir kämpfen nicht lange alleine. Schon nach wenigen Spielminuten folgt uns unser Kampfhund und erweist sich als treuer Gefährte. Nach und nach erhalten wir weitere Gruppenmitglieder, die wir einzeln steuern können bzw. von unseren Taktikeinstellungen und der KI steuern lassen können. Dieses funktioniert überaschenderweise sogar sehr gut. Diese Kampfgefährten haben ein Eigenleben. Das bedeutet, dass Sie je nach Ihrer Moral zufrieden oder gar nicht zufrieden mit Euch sind. Falls Ihr einmal eine Entscheidung getroffen habt, die ein Partymitglied erzürnt, dann stellt er oder sie Euch bei der nächsten Lagerung zu Rede. Die Moral kann auch mit persönlichen Gesprächen aufgebessert oder auch verschlechtert werden. Sogar Flirts sind durchaus möglich und somit erhält das Spiel einen altertümlichen Sims-Touch.

Zwei perspektiven stehen uns zur Auswahl, die sich auch noch etwas zoomen lassen können. Wir entscheiden uns für die schönere nähere Verfolgerperspektive und wechseln in die Übersichtsansicht bei größeren Gegneraufkommen um den Überblick zu beizubehalten. Nach dem Prolog können wir selbst bestimmen in welchen Gebiet es weitergeht. Meistens haben die Welten eine Außenwelt, wie z.B. unsere erste Wahl dem Ort Radcliffe. Eigentlich wollten wir ja zum Earl um Unterstützung für die grauen Wächter zu ersuchen, doch durch die Probleme des nahegelegenes Dorfes bleiben wir erst dort und helfen den Bewohnern. Danach geht es erst weiter in das Schloss. Meistens bestehen somit die Levelabschnitte aus einen Dorf bzw. Gebiet wo wir Storyelemente, Hintergrundwissen und Quest erhalten. Danach folgt eine Instanz mit Kämpfen in schlauchartigen Levelabschnitten, die jedoch nicht negativ auffallen, da diese zahlreiche Abzweigungen und liebevoll gestaltete Details bieten. Erst dann folgt eigentlich meistens unsere Hauptaufgabe in Dungeons mit zahlreichen Zwischen- und Endgegnern. Die Quests sind zahlreich und bieten eigentlich alles was das Herz begehrt. Jede Aufgabe wird sehr gut in Dialogen präsentiert und passt sehr gut in die fantastische Hintergrundstory hinein. Euch erwarten auch Aufgaben, die optional auch einen einfacheren Schwierigkeitsgrad in der nachfolgenden Mission bedeuten. So wissen wir, dass in der Nacht ein großer Angriff feindlicher Geister uns erwartet. Daher motivieren wir einige uns dem Kampf beizustehen und siehe da, dadurch wird der Angriff deutlich leichter.


Der Sammeltrieb wird bei diesem Spiel natürlich gefördert. Zahlreiche Ausrüstungsgegenstände sowie andere Inventaritems gibt es zahlreich in der Welt von Dragon Age: Origins. Schön dass wir alles im Gruppeninventar sammeln und jeden Charakter z.B. einen Trank in die Schnellstartleiste geben können. Außerdem gibt es natürlich auch wieder Talentbäume sowie Attribute, die wir nach  den Levelaufstieg eines Partymitglieds auch wieder vergeben können. Dadurch erlernen wir wieder nützliche weitere Fähigkeiten, die uns für die kommenden Aufgaben weiter helfen. Die Sprachausgabe in dem Spiel ist ein Genuß. Jeder Ton der zahlreichen Dialogszenen passt wunderbar ins Spielgeschehen. Man glaubt wirklich in einen interaktiven Film oder einen großen epischen Roman gefangen zu sein. Hierbei kann man schnell die Zeit vergessen und total in diese Spielwelt abtauchen ohne es zu merken. Die Musik sowie die Soundeffekte passen sich dem Gesamtbild sehr gut an. Die Grafik überzeugt mit der Liebe zum Detail! Auch wenn es vielleicht nicht die beste Grafikengine ist, gibt es dennoch wohl kaum ein Rollenspiel wo es so gut zusammenpasst. Die unterschiedlichen Locations, die Liebe zum Detail sowie die schönen Charakteren sorgen für eine tolle Optik. Sehr positiv fallen die Animationen auf, die zwar langsamer als bei einen Witcher oder Sacred sind dadurch aber realistischer wirken. Bei späteren Rängen gibt es Specialmoves unserer Helden, die in Slowmotion tolle Angriffsanimationen bieten.


Der Schwierigkeitsgrad ist happig und fordernd. Da man nach dem Prolog die Qual der Wahl hat wo man weitermacht mußte Bioware zu einen Schwierigkeitsgrad greifen, der die meißten Level der gegnerischen Einheiten dem spielerischen Können anpasst. Ähnlich wie in anderen Titeln können wir hier per Druck auf die Leertaste das Spiel pausieren und jedem einzelnem Partymitglied Befehle zuweisen. Dieses ist in späteren Quests ein unbedingtes Muß, denn bei den teilweise großen Gegnerhorden verliert man schnell den Überblick.
 

Die Spielzeit ist gewaltig mit ca. 45 Stunden inklusive der Nebenquests kann man sagen, dass dieses Spiel deutlich mehr Spiel bietet also so manch ein anderer Titel. Der Ideenreichtum ist immer wieder beeindruckend. So kommen wir z.B. im Magierturm an und erleben, dass alle Magier nun verrückt geworden sind und sich gegenseitig bekämpfen. Als wir uns den Weg zur Spitze des Turms erlangen wollten kommen wir zu einem Zwischengegner. Dieser ist der Dämon der Trägheit und als wir uns aufmachen wollen um Ihn dem Erdboden gleich zu machen redet er doch in einer ruhigen Stimme mit uns und erzählt uns wie müde wir doch eigentlich sind. Tatsächlich fallen die Augen zu und setzen die Reise in einem Alptraumlevel fort. Das alles ist so faszinierend präsentiert, dass wir einfach fast gar nicht die paar negativen Elemente des Spiels sehen. Für Einsteiger ist das Spiel jedoch zu schwer die Grafikengine ist nicht mehr die schönste und einige Bugs z.B. die Übergänge zwischen Zwischensequenzen und dem eigentlichen Spiels stimmen ab und an nicht überein. So schauen Charaktere dort in der falschen Richtung als in der Spielgrafik. Aber es sind alles in allem Kleinigkeiten, das Rollenspiel ist ein Hit. Die Interaktionen mit den Charakteren, die Story mit den zahlreichen Dialogen, die Kämpfe und die lange Spieldauer machen dieses für mich zum Anwärter auf das PC Spiel des Jahres 2009.