Need for Speed Shift PS3



Jens Bremicker für GameFeature.de

Noch Ende letzten Jahres hatte Electronic Arts gesagt, dass die Need-for-Speed-Reihe eingestellt werde. Wenige Monate später jedoch gab man bekannt, dass es doch weitergehen werde. Mit Need for Speed: Nitro soll es einen klassisch arcadigen Teil für die Wii geben und mit Need for Speed: Shift werde man eine echte Rennsimulation auf den Markt bringen - ganz untypisch für diese Serie (über ProStreet wollen wir jetzt mal nicht reden). Nun ist Shift im Laden erhältlich und wir fragen uns: Ist EA der Neustart gelungen oder hat man die Reihe endgültig gegen die Leitplanke gefahren?


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Wichtig wäre zu Beginn zu erwähnen, dass Need for Speed Shift nicht mehr von EA Black Box entwickelt wurde, sondern von den Slightly Mad Studios, welche sich unter anderem aus ehemaligen Mitarbeitern der SimBin Studios zusammensetzen, den Machern der erfolgreichen und äußerst realistischen GTR-Spiele. Demnach ist auch Shift eine reinrassige Rennsimulation und hat nichts mehr mit den pseudo-coolen Straßenrennfahrern, die mit ihren aufgemotzen Karren herumprotzen und es ständig mit Undercover-Bullen zu tun bekommen. Das Spiel nähert sich mehr einem Race Driver: GRID an - und das ist wunderbar gelungen.

 
Die Rennen auf den abgesperrten Strecken, darunter auch Originalkurse wie die berühmte Nordschleife des Nürburgrings oder Spa, gestalten sich als eine äußerst gute Mischung aus Realimus und Arcade, je nach dem, was für Einstellungen man bezüglich der Fahrphysik gewählt hat. Einsteiger können sich eine ganze Reihe an Fahrhilfen hinzuschalten, Profis verzichten darauf und erhalten ein äußerst realitätsnahes Fahrerlebnis. Die KI-Gegner machen dabei eine gute Figur. Zwar halten sie sich schon relativ stark an die Ideallinie, fahren diese aber auch nicht perlenkettenartig ab. Außerdem rächen sie sich auch gerne mal für einen Rempler von eurer Seite aus.

 
Herzstück des Spiels ist der Karriere-Modus, in dem ihr euch erst durch 4 Stufen kämpfen müsst, um dann an der großen World Tour teilnehmen zu können. Die einzelnen Events schaltet ihr dabei durch Sterne frei, die ihr für gute Platzierungen in den vorigen Rennen erhaltet. Zudem sammelt ihr auch für alle möglichen Aktionen während eines Rennens, beispielsweise gemeisterte Kurven oder das saubere Überholen von Gegnern, Profil-Punkte, durch die ihr in eurem Fahrerlevel aufsteigt. Insgesamt gibt es 50 Level, bei jedem Aufstieg schaltet ihr neue Vinyls, Felgen oder gar neue Autos frei, von denen es im Spiel ca. 70 Stück gibt. Durch diese beiden Features entfaltet der Karriere-Modus eine unglaubliche Motivation, die einen fast dazu zwingt, immer weiterzuspielen.
 

Das Problem des Karriere-Modus ist jedoch die Balance. So gibt es unterschiedliche Renn-Modi: Rundkursrenne, zwei verschiedene Zeitfahren-Modi, Driftrennen und 1-gegen-1-Duelle. Das sorgt natürlich für viel Abwechslung, allerdings schwank der Schwierigkeitsgrad sehr stark. Rundkursrennen sind herausfordernd, aber nicht überaus schwer, das normale Zeitfahren ist viel zu leicht und Driftrennen sind hingegen verdammt knifflig. Das hätten die Entwickler deutlich besser hinbekommen können.

Die Autos lassen sich natürlich auch tunen. Doch zumindest was die Leistungs-Upgrades betrifft, bleibt Need for Speed: Shift weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Es gibt lediglich 3 Ausbaustufen für euren Motor oder die Bremsen plus noch zwei Sonderkategorien, bei denen ihr zum Beispiel die Aerodynamik verbessern könnt. Profis dürfen auch noch ein paar spezielle Einstellungen vornehmen,...... Mehr ist allerdings nicht drin. Immerhin dürft ihr euren Wagen mit reichlich Vinyls und Felgen optisch aufmotzen. Erstere dürft ihr sogar komplett frei auf der Karosserie platzieren.

 
Absolutes Highlight ist die Atmosphäre. Need for Speed: Shift bietet die wohl detaillierteste Cockpit-Ansicht der letzten Jahre. Jedes Auto ist originalgetreu nachgebildet worden und Unfälle sehen aus dieser Perspektive sehr genial aus. Auch das Geswindigkeitsgefühl ist grandios. Auch sehr schön: Man kann alle Bildschirmanzeigen abschalten, wodurch man eine noch dichtere Atmosphäre hat.
 
Das Schadensmodell ist allerdings spielerisch zu mager ausgefallen und hat kaum Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Es kommt höchstens mal vor, dass das Auto nach links oder rechts zieht, mehr ist hier aber nicht drin.


Grafisch macht Shift alles richtig. Nicht nur das Innere der Autos sieht genial aus, auch die Wagenmodelle und die Strecken sehen sehr schick aus, Licht- und Schatteneffekte sind ebenfalls auch hohem Niveau. Zudem spiegelt sich die komplette Umgebung auf dem Lack der Wagen, was ebenfalls einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Auch akustisch macht das Spiel alles richtig. Diie lizensierte Musik ist zwar, natürlich, Geschmackssache, dafür sind die Motorengeräusche aller erste Sahne.

Leider bietet der Titel keine Nachtrennen oder Wetterwechsel. Neben dem mageren Leistungstuning, dem leicht missglückten Balancing im Karriere-Modus und dem halbgaren Schadensmodell, ist das ein Punkt, den die Entwickler in einem potentiellen Nachfolger, den es bestimmt geben wird, unbedingt ausbessern sollten.


Zum Schluss noch ein paar Worte zum Online-Modus: Dieser gestaltet sich als sehr solide. Man kann einige Einstellungen vornehmen, die Rennen laufen lagfrei ab und man sammelt auch im Multiplayer Profil-Punkte. Leider kann man keine eigenen Turniere erstellen, sondern nur einzelne Rennen spielen. Auch hier hat man Potential verschenkt. Außerdem gibt es keinen Server-Browser, wie in vielen Spielen heutzutage. Das sollte auch nicht so sein.

Leider bietet das Spiel keinen Splitscreen-Modus, was auf einer Konsole ein großer Kritikpunkt ist. Technisch wäre es bestimmt möglich gewesen und man möchte eben nicht immer nur online im Multiplayer spielen, sondern auch mal offline, wenn die Kumpels direkt neben einem sitzen.

Als Fazit lässt sich sagen: Need for Speed: Shift ist ein richtig tolles Spiel geworden. Fahrphysik, Umfang, Atmosphäre: Das alles ist grandios. Die oben genannten Mängel verhindern jedoch in meinen Augen eine 90er-Wertung. Für Rennspielfans ist dieser Titel jedoch ein Pflichtkauf. Allerdings hat dieses Spiel für mich wirklich nichts mehr mit den alten Teilen zu tun und ist in meinen Augen auch kein Need for Speed mehr. Insofern kann ich als letzten Satz nur sagen: Need for Speed ist tot (für's Erste), Shift leben hoch!