Brütal Legend



Jens Bremicker für GameFeature.de

Tim Schaefer ist zurück! Nach dem er mit dem Action-Adventure Psychonauts zwar sehr viel Kritikerlob einfahren konnte, jedoch finanziell keinen großen Hit landete, kommt nun sein neuester Streich: Brütal Legend, eine Mischung aus Action-, Renn- und Strategiespiel, welches in einer abgefahrenen Metal-Welt spielt und sich eben als eine humorvolle Hommage an jenes Musik-Genre darstellt.

In Brütal Legend verkörpert ihr den Roadie Eddie Riggs -  im Original gesprochen von Comedian, Schauspieler und Tenacious-D-Sänger Jack Black, welcher für eine moderne Jugend-Nu-Metal-Band arbeitet und selber aber ein klarer Fan der alten Metal-Garde alá Black Sabbath oder Motörhead ist. Während eines Konzerts kommt es zu einem Unfall, bei dem Eddie gleich mal von der ganzen Bühnen-Kulisse erschlagen wird. In diesem Moment taucht plötzlich eine riesige Metall-Bestie auf und teleportiert den Helden in eine seltsame Parallel-Welt. Diese ist der Schauplatz des Spiels und ist komplett frei begehbar. Hier herrscht ein dunkler Tyrann, der die Menschen versklavt hat. Eddie gilt als der Außerwählte und schließt sich einer Reihe von Rebellen an. Seine Aufgabe ist es nun, die Menschen zu befreien und eine Armee zusammenzustellen, um so das Land von den bösen Mächten zu befreien. Die Geschichte an sich ist nicht sonderlich einfallsreich oder spannend, ist aber toll präsentiert aufgrund der gesamten Atmosphäre, dazu aber weiter unten mehr.


Auf den ersten Blick gestaltet sich Brütal Legend als ein typisches Open-World-Actionspiel: Ihr durchstreift die Welt, nehmt Missionen an und verkloppt so allerlei Kreaturen. Dazu stehen euch zwei Waffen zur Verfügung: Eine Axt, mit der ihr die Gegner im Nahkampf zerschnetzelt, und eine Gitarre, welche als Fernkampfwaffe dient, indem ihr eure Gegner mit Blitzen schockt. Die Kämpfe gestalten sich dabei als äußerst simpel, machen aber dennoch viel Spaß, da man hier, wie in God of War, allerlei Kombos ausführen kann. An dessen Genialität kommt das Spiel in diesem Punkt aber nicht heran.

Auch dann, wenn ihr euer Auto, den sogenannten "Teufel", erhaltet, bleibt der Eindruck von einem reinen Actionspiel erhalten. Der Wagen lenkt sich nämlich äußerst arcadig und dient ebenso als Waffe.


Doch schon nach kurzer Spielzeit kommt der Moment, wo man denkt: "Was soll das denn jetzt?" So hat Brütal Legend nämlich auch einen großen Strategiepart. Auf den ersten Blick wirkt dieser noch wie ein kleiner Overlord-Klon, da ihr nur einen sehr kleinen Truppenverband unter eurem Befehl habt und diesem per Digi-Kreuz Befehle gebt: "Position halten", "Mir folgen" oder "XY angreifen". Doch schon kurze Zeit später erweitert sich das ganze auf die sogenannten "Stage Battles". Bei diesen müsst ihr eure Musik-Bühne verteidigen, in dem ihr Einheiten rekrutiert und diese gegen den Feind in die Schlacht schickt. Das kostet euch Ressourcen und es gibt auch unterschiedliche Truppentypen: Nahkämpfer, Fernkämpfer, Supporter. Tatsächlich gestaltet sich Brütal Legend in diesen Momenten als ein Echtzeit-Strategietitel, in dem ihr jedoch selbst über das Schlachtfeld lauft, bzw. später fliegt, und auch selber in den Kampf eingreifen könnt. Und das ist auch dringend nötig, denn sonst gewinnt ihr keinen Blumentopf. Leider verlieren die Stage Battles leicht an Übersicht und spielen sich viel zu hektisch. Zudem wird jeder Spieler, der einen reinen Actiontitel erwartet hat, erstmal einen WTF-Moment haben, wenn er den ersten Stage Battle absolvieren muss. Herr Schaefer, was sollte das?
 

Obwohl das Spiel eine offene Welt bietet, und neben der Hauptstory auch noch Nebenquest beinhaltet, welche allerdings mit Abwechslung arg geizen, ist es ein relativ kurzes Vergnügen. In gerade einmal 6 bis 8 Stunden lässt sich der Titel durchspielen. Zwar gibt es in der Welt noch relativ viel zu entdecken, aber das reißt es auch nicht mehr heraus. Sehr cool ist jedoch die Möglichkeit, den Teufel oder die beiden Waffen gegen Feuerattribute, die ihr euch durch Missionen und diverse Entdeckungen in der Welt, beispielsweise Aussichtsplattformen oder gefesselte Drachen, aufzuwerten. So könnt ihr eurer Axt zum Beispiel einen zusätzlichen Feuer-Schaden verpassen oder euer Auto mit Primär- und Sekundärwaffen ausrüsten. Ein nettes Feature, das zum Weiterspielen motiviert. Sehr cool sind auch die zahlreichen Gitarren-Solos, die ihr im Spielverlauf erlernt. Mit diesen könnt ihr unter anderem den Teufel herbeirrufen oder besonders starke Attacken ausführen. Dazu sucht ihr euch das jeweilige Solo in einem Pop-Up-Menü aus und spielt dieses in Guitar-Hero-Manier auf eurer Gitarre. Herausfordernd ist das nicht, aber es hat einfach Style.



Und Style wird bei Brütal Legend ganz groß geschrieben. Die Welt sieht so aus, als hätte man 100 Coverbilder von Metal-Alben aneinandergereiht, das Design der Monster und Charaktere ist fantastisch und jederzeit läuft bekannte Metal-Musik im Hintergrund: Von Black Sabbath über Motörhead, In Flames, Manowar, Kiss, Slayer und Marilyn Manson bis hin zu Tenacious D, der Band von Jack Black. Dieser spricht seine Rolle übrigens grandios. Und er ist nicht der einzige Prominente, der in dem Spiel vertreten ist. Auch Lemmy Kilmister von Motörhead und Ozzy Osbourne sind als digitale Abbilder zu sehen. Auch die deutsche Sprachausgabe ist sehr gut gelungen. Hier wird Eddie von Jack Black's Standard-Synchronsprecher vertont. Wer also das Spiel lieber komplett in Deutsch spielen möchte, der kann das auch ohne schlechten Gewissens tun. Denn auch so funktioniert der geniale Humor von Brütal Legend sehr gut. Der Titel ist quasi ein humorvoller Kniefall vor der Metal-Szene und natürlich deren Musik, so ähnlich wie ein "Shaun of the Dead" keine Parodie von Zombie-Filmen, sondern eine ehrenvolle, aber eben auf Lustigkeit getrimmte Hommage ist. Und das finde ich super!

Dafür ist die Grafik nicht so der Brüller. Technisch ist das Spiel eher veraltet, bietet unscharfe Texturen und ruckelt auch hier und das ganz schön. Dafür bietet es, wie bereits erwähnt, dieses fantastische Art-Design. Aber trotz des Comic-Looks wäre eine etwas hübschere Engine nicht schlecht gewesen. Hässlich ist das Spiel jedoch nicht.

Ein Kritikpunkt ist auch der Multiplayer. Dieser besteht nämlich nur aus den Stage Battles, in dem ihr euch eine von drei Fraktionen aussucht und dann gegen bzw. mit anderen Spielern zusammen in die Schlacht zieht. Wer diesen Aspekt von Brütal Legend also nicht mag, der wird auch an dem Mehrspieler-Modus keinen Gefallen finden.


Kommen wir zum Fazit: Insgesamt hat mich Brütal Legend sowohl verzaubert, als auch enttäuscht. Denn auf der einen Seite ist es spielerisch ein eher halbgarer Mix. Der Strategieteil missfällt mir total und ist auch nicht sonderlich gut gelungen und die Action- und Renn-Sequenzen machen zwar Spaß, hat man aber schon in anderen Spielen besser gesehen. Auf der anderen Seite ist das gesamte Art-Design des Spiels grandios. Die Charaktere sind einfach nur genial umgesetzt, die Musik fetzt ordentlich, der Humor ist klasse und Jack Black ist einfach einer coolsten Typen auf der ganzen Welt. Wenn ich also nur den spielerischen Kern bewerten würde, käme Brütal Legend nicht über eine hohe 70er-Wertung hinaus, da auch die Technik nicht überzeugen kann. Aber Atmosphäre und der künstlerische Aspekt müssen auch in die Wertung mit einfließen und da muss man sich fragen, wie gut diese umgesetzt wurden? Und da ich diese Frage oben schon bewertet habe, kann ich nur sagen, dass der Titel für jeden Metal-Fan ein klarer Pflichtkauf ist, trotz der spielerischen Mängel. Denn Spaß macht Tim Schaefers Spiel in jedem Fall. Wer jedoch mit der Musik und deren Szene nichts anfangen kann, der lässt besser die Finger von Brütal Legend.