Gran Turismo PSP



René Leitner für GameFeature.de
 
Das legendäre Rennspiel Gran Turismo gibt sich auch mit den bahnbrechenden Rekorden und den immer höheren Standards der Vorgängertitel für PS, PS2 und PS3 noch nicht zufrieden. Jetzt feiert der „Real Driving Simulator“ sein Debüt auf PSP. Nun heißt es: anschnallen und tief durchatmen, bevor das Rennen über atemberaubende Strecken weltweit beginnt. Und das mit dem Stil, dem Tempo und allen Sportwagen, die man sich nur wünschen kann und noch vielem mehr. Aber kann der Titel auch auf Sony’s Handheld überzeugen? Dann lasst uns einmal die Motoren starten und nachforschen ob GT für die PSP als erster über die Ziellinie rast.

Wenn diese Serie für eines bekannt ist, dann ist es der absolut grandios Fuhrpark von allesamt lizensierten Fahrzeugen. Ob man in einer bayrischen Limousine oder in einem amerikanischen Musclecar an den Start gehen will ist einzig und allein die Entscheidung des Spielers. GT-PSP bietet 800 der schönsten Autos der Welt, bis ins kleinste Detail nachgebildet. Natürlich stehen nicht von Anfang an alle Autos zur Verfügung, sondern müssen erst gekauft werden. Hier gibt es auch schon den ersten Unterschied zu den Versionen auf den großen Konsolen. Konnte man bei GT bisher immer einkaufen wenn man für etwas genug Geld gespart hatte, so gibt es bei der PSP Version nun Autohäuser des Tages. Das bedeutet das es an jedem Renntag (wechselt ca.  nach jedem 2. Rennen) immer 4 Autohäuser des Tages gibt. Das ist mitunter nervig wenn man sich mühevoll das Geld für sein Lieblingsauto zusammengespart hat, und dann warten muss, bis der Händler wieder verfügbar ist. In Sachen Tuning hat man zwar nicht die Möglichkeit das äußere des Wagens zu verschönern, jedoch kann man technische Einstellungen wie z.B. die Sturzwinkel, die Bodenfreiheit und die Federkraft justieren. Ebenfalls kann man sich in den Fahrzeugoptionen für einen Reifensatz (Rennreifen, Sportreifen) seiner Wahl entscheiden.
 
Das sich die Entwickler Polyphony Digital Inc. bei den Autos ins Zeug legen würden war vorauszusehen und wurde natürlich auch von den Fans der Serie erwartet, doch kommen wir nun zu den Rennen an sich. Bei GT-PSP gibt es leider keinen Karrieremodus. Der Spieler hat die Möglichkeit zwischen 3 verschiedenen Rennmodi. Das Zeitfahren an sich bedarf wohl keiner genauen Erklärung. Man fährt gegen die Uhr und kann auch seinen Ghost speichern und immer wieder gegen ihn antreten. Allerdings kann man in diesem Modus kein Geld verdienen. Kohle gibt’s nur in den Modi Einzelrennen und Driftrennen. Im Einzelrennen fährt man gegen 3 andere Autos, die je nach dem eigenen gewählten Fahrzeug per Zufall angepasst werden. Mann kann also nicht mit seinem PS-Monster gegen Minis antreten um die Siegprämie zu kassieren. Hier wird auch nach jedem Sieg auf einer Strecke der Schwierigkeitsgrad angehoben, welchen man aber auch manuell wieder verändern kann. Natürlich verdient man mehr Geld bei einem höheren Schwierigkeitsgrad. Im Driftmodus muss man, wie der Name schon sagt, um die Kurven der Strecke driften. Hierzu hat man eine Runde Zeit um so gute Drifts wie nur möglich abzuliefern. Je nach Leistung erhält man auch hier Geld für die absolvierten Ergebnisse.



Wie bei den Autos, ist der GT-Fan natürlich auch von den Strecken an sich einiges gewohnt. Auch hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Insgesamt gibt es 35 Strecken in 60 Ausführungen. Von den GT-eigenen wie z.B. Grand Valley und Autumn Ring bis hin zu realen Rennpisten wie Fuji und dem Nürburgring ist für jeden Geschmack etwas vertreten. Auch auf Matsch- und Schneestrecken muss der Fan nicht verzichten. Ebenfalls mit am Start sind die beliebten Stadtkurse wie z.B. New York und Seoul Central. Natürlich ist es für die Rennen in höheren Schwierigkeitsstufen von Vorteil die Strecken vorab im Zeitrennen zu testen. Für Anfänger sehr gut geeignet ist auch das Tutorial mit dem Titel Fahrherausforderungen. Vergleichbar mit den Führerscheinprüfungen in den Vorgänger, gilt es bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Von Kurvenfahrten bis hin zu Überholmanövern kann man alles üben und dabei auch noch jede Menge Geld zum Aufstocken des Fuhrparks kassieren.
 

In Sachen Technik ist das Spiel ganz klar in der oberen Liga angesiedelt. Die Fahrzeuge sehen wirklich sehr hübsch aus und man kann während des Fahrens aus 4 verschiedenen Perspektiven (Stoßstange, Cockpit, Dach- und Heckansicht) wählen. Leider gibt es, wahrscheinlich aus Lizenzgründen, aber wieder keine Fahrzeugschäden. Kracht man mit 270km/h gegen ein Hindernis, bleibt das absolut ohne Folgen. Ebenso wie die Autos sehen auch die Strecken sehr hübsch aus. Zwar würde man sich bei einigen mehr Zuseher, oder andere kleine Details wünschen, aber das was geboten wird ist wirklich gut gemacht, und vor allem läuft das Spiel sehr flüssig. Dabei hilft sicher auch die Tatsache, dass man insgesamt leider nur 4 Fahrzeuge auf der Strecke hat, was ab und zu wie bei einem Geisterrennen wirkt. Dafür sind die Gegner mitunter sehr harte Nüsse. Sie nutzen jede noch so kleine Möglichkeit um zu überholen und nutzen auch sehr geschickt den Windschatten aus. Das ist auf höheren Schwierigkeitsgraden sehr herausfordernd und macht auch sehr viel Spaß. Und wie von den großen Brüdern gewohnt gibt es auch in der PSP-Version wieder die Möglichkeit Replays zu sehen und zu speichern.
 

Bei den Sounds im Spiel bin ich zwiegespalten. Die Motorengeräusche klingen wirklich gut, jedoch die Kollisionsgeräusche wirken wie aus einer 8-Bit Emulation. Auch die musikalische Untermalung reißt mich nicht vom Hocker. Ich möchte sie liebevoll Dudelei nennen. Dafür hat man aber immerhin die Möglichkeit sich seine eigenen MP3s als Soundtrack zu importieren.

Die Steuerung ist auch bei der Handheldversion sehr gut gelungen. Die Autos lassen sich gut auf den Strecken bewegen, wobei auch die Unterschiede der einzelnen Antriebsarten gut zur Geltung kommen. Es driftet sich nun einmal mit einem Heckantrieb leichter als mit einem 4x4 Wagen. Das ganze wurde sehr gut umgesetzt jedoch fehlt mir ein ganz entscheidender Punkt. Der Realismus Grad bei GT ist wirklich sehr hoch und noch höher wenn man die Fahreinstellungen auf realistisch stellt, aber es kommt kein Geschwindigkeitsgefühl rüber. Bei den engen und kurvenreichen Strecken fällt das nicht so ins Gewicht, aber wenn man z.B. auf der Teststrecke oder dem Highspeed Ring mit knapp 300 oder mehr km/h durch die Gegend heizt, dann merkt man das nicht wirklich. Es ist zwar natürlich schneller als bei den langsamen Kursen, aber man hat trotzdem das Gefühl die Umgebung bewegt sich seitlich wie eine Schnecke an einem vorbei.
 

Wie die meisten Rennspiele kann man auch Gran Turismo im Mehrspielermodus spielen. Mann kann mit seinen Freunden Autos tauschen und teilen und sich mit bis zu 3 anderen Freunden heiße Duelle auf den Rennstrecken liefern. Aber hier gibt es ein großes Minus. Das alles ist nur im Ad-Hoc Modus möglich. Einen richtigen Online-Multiplayer gibt es ganz einfach nicht. So etwas darf bei einem Spiel wie GT in der heutigen Zeit ganz einfach nicht fehlen.

Das auch bei der Umsetzung eines so bekannten Titels von PS1-3 auf den Handheld Abstriche gemacht werden müssen ist verständlich. Polyphony Digital Inc. hat aber gute Arbeit geleistet und liefert mit Gran Turismo PSP ein sehr gutes Spiel, welches gut an die tragbare Konsole angepasst wurde. Trotz fehlendem Karriere- und Online-Modus, sowie anderen kleineren Mankos weiß der neue Real Driving Simulator zu überzeugen und muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. Freunde von realistischen Rennspielen werden nicht enttäuscht sein und durch die Unmenge an Autos und die große Streckenvielfalt bleibt auch die Langzeitmotivation nicht ganz auf der Strecke liegen. Fans von Arcade-Racern sollten auf jeden Fall Probespielen, denn auch sie könnten auf den Geschmack kommen und das Spiel ihr eigen nennen wollen.